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Welche Igel brauchen Hilfe?
Hilfsbedürftig sind:
- Verletzte Igel:
Oft deuten schon Fundort und -umstände (Straße, Bauarbeiten) auf Verletzungen hin. Tiere, die
vermutlich tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä. ohne Wasser und Futter gefangen waren,
brauchen ebenfalls Hilfe.
- Kranke Igel:
Man erkennt sie meist daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder
-liegen. Auf kranken Igeln (wie auch auf Säuglingen und Verletzten) sitzen in der warmen
Jahreszeit häufig Schmeissfliegen, die ihre Eier ablegen. Kranke Igel sind apathisch, rollen
sich kaum ein, sind oft mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen).
Ihre Augen stehen nicht halbkugelig hervor, sie sind eingefallen, schlitzförmig.
- Verwaiste Igelsäuglinge:
Igeljunge, die sich tagsüber ausserhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und
Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlos und benötigen dringend
Hilfe.
- Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen:
Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tag. Es kann sich um kranke oder schwache
Alttiere handeln; öfter sind es Jungtiere, die spät geboren, evtl. auch krank sind und/oder
sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Spätherbst kein für den Winterschlaf ausreichendes
Fettpolster anfressen konnten.
- Ausnahmen:
Ausnahmen bilden aufgestörte Igel. Wenn Laub- oder Reisighaufen entfernt, Holzstapel abgebaut, in Garten
und Parks gearbeitet, Baumaßnahmen begonnen werden oder Hunde herumstöbern, können Igelnester
zerstört sein. Dann sucht auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf. Manchmal
wechseln säugende Igelweibchen tagsüber zwischen Aufzuchtnest und einem weiteren Tagesschlafplatz.
Gesetzesvorschriften
In Deutschland ist es generell verboten, Tiere der besonders geschützten Arten - und dazu zählt der Igel -
aus der Natur zu entnehmen. Die einschlägigen Gesetzesvorschriften erlauben jedoch,
hilfsbedürftige Igel sachgemäß aufzuziehen bzw. gesund zu pflegen.
Das Ziel jeder Igelhilfe muss sein, die Tiere so bald wie möglich wieder gesund in die
Freiheit zu entlassen.
Checkliste Erste Hilfe
Grundsätzlich gilt, dass jegliche Behandlung eines hilfsbedürftigen Igels erst nach Erreichen
der normalen Körpertemperatur (ca. 36° C) erfolgen darf!
- Pflegeprotokoll anlegen!
Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren. Damit beginnt das
Pflegeprotokoll, in das weiterhin Gewichtszunahme, Tierarztbesuche,
verabreichte Medikamente usw. eingetragen werden.
- Geschlecht bestimmen!
Das ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, da es sich um ein säugendes Muttertier handeln kann.
Zur Geschlechtsbestimmung den Igel sanft über den Rücken streicheln bis er sich ausrollt, dann mit der flachen
Hand langsam in Seitenlage bringen, damit die Bauchseite sichtbar wird.
- Männchen: Hautiger Knopf (Penisöffnung) in der Mitte der hinteren Körperhälfte.
- Weibchen: Scheide unmittelbar vor dem After.
- Igel auf Verletzungen untersuchen!
Dazu muss man auch Kopf, Bauchseite und Beine inspizieren.
- Unterkühlte Igel wärmen!
Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter als die eigene
Hand anfühlt. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmeflasche umwickelt man mit
einem Frotteehandtuch (ohne Aufhänger, ohne Löcher oder heraushängende Fäden -
Verletzungsgefahr!) und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel
und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu.
- Außenparasiten entfernen!
In der warmen Jahreszeit findet man Fliegeneier und -maden in Wunden, aber auch in den
Körperöffnungen (Ohren, Mund, After etc.) unverletzter, jedoch kranker und schwacher
Tiere. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Fliegeneier sind weißliche, etwa 1,5 mm
lange aneinanderklebende Stäbchen, Fliegenmaden kleine weißliche Würmchen. Man sammle
sie sehr sorgfältig mit der Pinzette ab. Igelflöhe lassen sich am besten mit einem
speziellen Spray (keinen Puder verwenden!) - aus der Zoohandlung oder vom Tierarzt entfernen.
Zecken nicht mit Öl, Nagellack oder Klebstoff behandeln! Man fasst sie mit einer Pinzette
möglichst dicht an der Haut des Igels und zieht sie ruckartig heraus. Die Tiere sollten
nur in absoluten Ausnahmefällen gebadet werden, denn diese Prozedur stresst sie
zusätzlich.
- Tierarzt und/oder Igelstation aufsuchen!
In jedem Fall und so bald wie möglich sollte man eine Igelstation und/oder den Tierarzt aufsuchen.
Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes; er hilft (wie auch die Igelstation) bei der
Entfernung von Außen- und Innenparasiten. Außerdem kann er mit den entsprechenden Präparaten
auch sehr geschwächten Tieren helfen. Ein kranker oder verletzter Igel ist dringend auf
fachmännische Hilfe angewiesen - Unterkunft und Nahrung allein helfen ihm nicht!
- Igelgehege mit Schlafhaus herrichten!
Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigenes Gehege mit
ausreichend Platz und ein Schlafhäuschen. Lesen Sie mehr über die sachgemäß hergerichtete
Unterkunft.
- Füttern!
Katzen- oder Hundedosenfutter oder Hackfleisch (kurz anbraten, nie roh geben!) oder
Rührei (ohne Gewürze, aber mit etwas Öl in der Pfanne garen, mit der Gabel
zerkleinern). Zum Trinken ein Schüsselchen Wasser (niemals Milch) hinstellen.
Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze (natürlich ohne Nadel!)
lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein.
Frisst der Igel in der
Nacht nach der Aufnahme nicht von selbst, ist unverzüglich der Tierarzt oder die
Igelstation zu benachrichtigen, da er dann meist Flüssigkeit per Injektion oder
„Zwangsfütterung“ benötigt. Neben der medizinischen Versorgung ist das A & O der
Igelpflege die richtige Fütterung. Mehr können Sie unter Ernährung
nachlesen.
- Kot für Untersuchung sammeln!
Kotuntersuchungen sind bei Igeln ungemein wichtig, denn sie geben Aufschluss
über die Menge und Art des Befalls mit Innenparasiten und über bakterielle Infektionen.
Den Kot von zwei Tagen sammelt man in einem gut verschließbaren Gefäß (z. B. in einem
Filmdöschen) und schickt ihn an ein entsprechendes Labor. Tierarzt, Igelstation
und Veterinäramt nennen Adressen, nehmen manche Untersuchungen aber oft auch selbst vor.
- Gesunde Igel sofort wieder freilassen!
Haben Tierarzt oder Igelstation erkannt, dass das aufgenommene Tier keiner menschlichen
Hilfe bedarf, muss der Igel umgehend an seinen Fundort bzw. in dessen unmittelbare
Nähe zurückgebracht werden.
Unterkunft
Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigene Unterkunft
von etwa 2 Quadratmeter Fläche und 50 cm Höhe und ein Schlafhäuschen. Lesen Sie mehr
über die sachgemäß hergerichtete Unterkunft.
Ernährung
Neben der medizinischen Versorgung und artgerechter Unterbringung ist die richtige
Fütterung das A & O der Igelpflege. Machen Sie sich sachkundig, informieren Sie sich unter
Ernährung von Igelpfleglingen.
Verwaiste Igelsäuglinge
Winzige, noch blinde und taube Igelbabys, stellen den Tierfreund vor eine schwierige Aufgabe.
Es bedarf Fachwissens, Zeit, Geduld und hoher Einsatzbereitschaft! Ausführliche Informationen
finden Sie unter Aufzucht verwaister Igelsäuglinge.
Winterschlaf in menschlicher Obhut
Erreicht ein in menschliche Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht
(600 bis 700g) erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muss man bis zum
Frühjahr warten, ehe man ihn in die Freiheit entlässt. Aber auch ein Igelpflegling,
der bei Menschen überwintern muss, soll Winterschlaf halten dürfen.
Lesen Sie mehr über
Winterschlaf des Igels in menschlicher Obhut halten.
Krankheiten
Die meisten hilfsbedürftigen Igel, die keine äußeren Verletzungen aufweisen, sind nicht "nur"
untergewichtig, sondern auch krank. Zögern Sie den Gang zum Tierarzt oder einer
Igelstation nicht hinaus. Weder Wärme noch Futter können Krankheiten heilen!
Beachten Sie beim Umgang mit Igelpfleglingen die Grundregeln der Hygiene!
Waschen Sie sich nach jedem Kontakt gründlich die Hände!
Hinweise zu Igelkrankheiten und Informationen über die Erste Hilfe
für den stachligen Pflegling können Tierfreunde und Igelpfleger unter
Krankheiten nachlesen.
Igelstationen und Veterinäre verweisen wir auf unsere von einer mit
Igelpatienten sehr erfahrenen Tierärztin verfasste Broschüre
"Igel in der Tierarztpraxis",
die mit jeder Neuauflage aktualisiert wird. Die jüngste Auflage, die wir hier bereit stellen,
hat den Stand Dezember 2005.
Auswilderung
Nach der Gesundung und/oder Überwinterung in menschlicher Obhut ist es Zeit,
den Igel in die Freiheit zu entlassen. Wie man dabei am besten vorgeht, lesen Sie unter
Auswilderung.
Fragebögen
Wenn Sie Albino-Igel beobachten oder Igelbabys mit Mutter sehen oder verwaiste Igelsäuglinge
finden: Unterstützen Sie die Igelforschung und füllen Sie unsere
Fragebögen aus!
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